Etwas Wärme braucht jeder, nicht nur zur Weihnachtszeit. (Foto: Anja Fiedler)



Pulheim - 18.12.2021

Eine Pulheimer Weihnachtsgeschichte

Ich erzähle eine wahre Pulheimer Weihnachtsgeschichte, die wirklich so passiert ist. Diese ist gleichzeitig Türchen 18 unseres diesjährigen Adventskalenders.

Vor ungefähr 25 Jahren lernte ich auf meiner Arbeitsstelle in Pulheim eine alte Dame kennen, die regelmäßig zu mir kam. Sie lebte allein und musste mit einer recht spärlichen Rente auskommen. Stets ging ihr banger Blick auf ihr Konto, ob ihr Geld bis Monatsende reichte. Frau K., so möchte ich sie hier nennen, hatte zwar einen Sohn, der ihr jedoch auch Sorgen bereitete und nur spärlich Kontakt zu ihr pflegte. Trotz allem habe ich diese alte Dame nie schlecht gelaunt erlebt. Sie war freundlich und hatte stets ein Lächeln auf den Lippen. Sie erzählte gerne mit mir, wobei sie jedoch nie klagte. Trotzdem merkte ich ihr an, dass sie es nie einfach gehabt hatte. Frau K. wirkte verhärmt, jede ihrer Falten schien das Leben gezeichnet zu haben und eine Geschichte zu erzählen. Ihre Kleidung war abgetragen, aber stets sauber und gepflegt. „Kindchen, ich habe zwar nicht viel Geld, aber meinen Stolz nimmt mir niemand“, sagte Frau K. einmal zu mir.

Kurz vor Weihnachten merkte ich dann aber doch, dass ihr gerade diese Zeit zu schaffen machte. Allein und ohne Geschenke würde sie die Feiertage verbringen, berichtete sie mir. Ein besonderes Essen konnte sie sich auch nicht leisten, Konservendosen mussten reichen. Ich schluckte innerlich und es tat mir unendlich leid, dass diese wirklich reizende alte Dame Weihnachten so freudlos verbringen musste. Ich überlegte hin und her, wie ich ihr zumindest eine kleine Freude bereiten könnte. Gerne hätte ich ihr etwas geschenkt oder sie zum Essen eingeladen, aber ich wusste, dass ich so ihren Stolz verletzen und sie das Geschenk vermutlich nicht annehmen würde. Was sollte ich also tun? Schließlich hatte ich eine Idee. Ich kaufte ein paar Leckereien, so z. B. einen Stollen, Pralinen und andere Naschereien. Dazu holte ich noch einen warmen Schal nebst passender Mütze und Handschuhen.

Ich schrieb noch eine Weihnachtskarte mit folgendem Text:

„Liebe Frau K., ich weiß, Sie hatten es nie leicht in Ihrem Leben. Doch geduldig haben Sie Ihr Schicksal ertragen und einfach immer das Beste aus dem gemacht, was Ihnen blieb. Mit diesem Weihnachtspäckchen sendet Ihnen das Christkind ein Dankeschön und wünscht Ihnen frohe Weihnachten!“

Die Karte samt der Geschenke verpackte ich weihnachtlich, legte einen großen Strohstern oben auf und schlug schließlich alles in Paketpapier ein und adressierte das Päckchen an Frau K. Als Absender vermerkte ich natürlich „Das Christkind!“.

So vergingen die Weihnachtstage, ein neues Jahr begann und direkt am ersten Arbeitstag bekam ich Besuch von einer freudestrahlenden Frau K. „Wissen Sie, was mir an Weihnachten passiert ist?“, fragte sie mich lächelnd. Ich verneinte und sie berichtete mir mit leuchtenden Augen von dem Päckchen. Und jetzt fiel es mir erst auf, sie trug Schal, Mütze und Handschuhe, die ich für sie ausgesucht hatte. „So eine Weihnachtsfreude habe ich noch nie gehabt!“, schwärmte Frau K. „Der Strohstern hängt an meiner Haustür und diese Leckereien waren köstlich. Dazu noch die Mütze, der Schal und die Handschuhe, die mich wunderbar wärmen. Ich bin dem Christkind so dankbar. Woher es nur meine Adresse wusste?“ Ich antwortete:“ Aber Frau K. , das Christkind kennt doch jede Adresse“. Frau K. sah mich durchdringend an, lächelte und sagte: „Ist auch egal, ich bin dem Christkind unendlich dankbar. Falls Sie es sehen, richten Sie es ihm doch bitte aus.“

Ob sie wusste, dass ich dieses Christkind gewesen war? Darüber bin ich mir bis heute nicht sicher. Eines weiß ich aber, ich hatte mit einer kleinen Geste die alte Dame sehr glücklich gemacht. Und ihre Freude berührte mich sehr und war das schönste Geschenk für mich. Bis heute denke ich oft an Frau K. zurück, die im selben Jahr leider noch verstarb. Doch jedes Jahr zu Weihnachten sehe ich sie glückstrahlend wieder vor mir stehen und mich ergreift dieses ganz besondere Gefühl, das Weihnachten ausmacht.

Kennen Sie auch jemanden in Pulheim oder anderswo, dem man mit wenig Aufwand eine große Weihnachtsfreude bereiten kann? Versuchen Sie es, verschenken Sie eine kleine Geste Menschlichkeit an ihn und auch Sie werden dafür ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk erhalten. Die Freude und das Glück des Beschenkten! Geht es an Weihnachten nicht genau darum?

Es strahlen Lichter und Kerzen, doch am schönsten leuchten an Weihnachten die Herzen. (Anja Fiedler)

In diesem Sinne verbleibe ich mit herzerwärmenden Grüßen

Anja Fiedler

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