Pulheim - 06.08.2021

Bedarf nach Bewegungs- und Freizeitmöglichkeiten für Hunde in Pulheim ist da - Ein Interview mit Udo Kopernik – Sprecher des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH) 

Mehr Hundefreilaufflächen – ein großes und viel diskutiertes Thema derzeit. Auch in Pulheim wurde von vielen Hundebesitzern bereits der Wunsch nach einer Hundefreilauffläche geäußert. Ich bin selbst Hundebesitzerin und auch ich wünsche mir eine Hundefreilauffläche und noch mehr Bewegungs- und Freizeitmöglichkeiten für Hunde. Welche Vorteile bietet überhaupt eine Hundefreilauffläche? Gibt es auch Nachteile? Um darüber eine Auskunft zu erhalten, habe ich Udo Kopernik, den Sprecher des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH) angeschrieben und interviewt. Wie denkt er über Hundefreilaufflächen oder auch Hundestrände? Hier das ganze Interview:

 

In meinem Wohnort Pulheim gibt es keine Hundefreilauffläche. Was halten Sie grundsätzlich von Hundefreilaufflächen? Wie wichtig sind diese für das Sozialverhalten der Hunde?

„Hunde sind nicht für ein Leben auf der Couch gemacht. Das sollte heute auch jedem Nichthundehalter geläufig sein. So wie es für uns Menschen lautet, Sitzen ist das neue Rauchen, gilt für Hunde: Runter vom Sofa. Eine Binsenweisheit. Und für den Fall, dass der ein oder andere Hundebesitzer davon noch nicht gehört hat, gibt es in der neuen Tierschutzhundeverordnung aus Julia Klöckners Landwirtschaftsministerium den so genannten „Gassigeh-Paragraphen“. Der schreibt vor, Hunden zweimal täglich mindestens eine Stunde Auslauf zu bieten. Glücklicherweise reicht der überwiegenden Mehrheit der Hundehalter dieses Stündchen nicht. So oder so: Auslauf bedeutet nicht nur runter vom Sofa, sondern laufen. Es gibt zudem eine Vielzahl von Studien, die dies stützen und belegen, wie wichtig der Kontakt zu Menschen und auch Artgenossen für Hunde ist. Eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen und Erhalten seines sozialen Verhaltens. Sozialverträgliche Hunde wollen alle. Dann müssen Hundehalter und ihre Hunde aber auch die Möglichkeiten haben, daran zu arbeiten. Das bedeutet Auslauf ohne Leine. Ganz früher stellte dies den Hundemenschen nicht vor große Probleme. Draußen im Naherholungsgebiet begegnete er meist nur anderen Hundehaltern. Heute teilen sich die zudem immer kleiner werdenden Flächen immer mehr Menschen, die zum Beispiel Feld- und Waldwege nutzen. Spaziergänger, Jogger, Walker, Radfahrer mit und ohne Elektroantrieb und hier und da Menschen zu Pferde. Das ist auch gut so. Sitzen… Wenn diese nun auf den Spaziergänger mit Hund – heute durchaus auch mit mehreren Hunden – treffen, erwarten diese völlig zurecht Rücksichtnahme. Das setzt in fast allen Situationen ein Anleinen des Hundes voraus. Hier kommt die Hundefreilauffläche ins Spiel. Die wird niemand betreten, der – ohne eigenen Vierbeiner – die Anwesenden durch Weglaufen zu einer munteren Hatz einlädt. Nachlaufen ist des Hundes liebstes Spiel. Davon kann man sich insbesondere auf einer Freiauslauffläche überzeugen. Es wäre für unsere Lebensqualität sicher ein Gewinn, wenn durch eine kluge Stadtentwicklung eine Vielzahl von Parks und Anlagen Angebote für alle Bewohner bieten würden. Die meisten Städte haben sich jedoch anders entwickelt und so müssen wir andere Lösungen finden.“

 

Der Pulheimer See wird derzeit als Freizeit- und Badesee ausgebaut. Viele Hundehalter in Pulheim wünschen sich ergänzend einen Hundestrand. Wie stehen Sie zu Hundestränden?

„Viele Hunde finden Wasser ziemlich toll und attraktiv. Wir doch auch. Warum fährt man an einen See oder im Urlaub gleich an die See. Dort lebt man von Besuchern und dort findet man an Nord- und Ostsee inzwischen viele ausgewiesene Hundestrände, die ausnahmslos gut besucht werden. Durch Spender mit Fiffitüten und ausreichend Angeboten für deren Entsorgung bleiben sie sauber und es verirren sich auch immer viele Nichthundehalter dorthin. Einfach weil es Spaß macht und entspannend ist, den Vierbeinern beim Spielen, Toben und Schwimmen zuzusehen. Da wir nicht andauernd an die See reisen können, in jüngster Vergangenheit auch nicht immer durften, macht es absolut Sinn so etwas auch an unseren Binnenseen vor der Haustür einzurichten.“

 

Die Hundesteuer ist nicht zweckgebunden. Demzufolge müssen die Einnahmen von den Kommunen auch nicht für Hunde eingesetzt werden. Wie finden Sie das und wie stehen Sie grundsätzlich zur Hundesteuer?

„Ich zahle wie andere auch viele Steuern. Die Mehrwertsteuer ist fast immer dabei. Sie zahle ich aus meinem versteuerten Einkommen. Ich besitze ein Haus und zahle Grundsteuer. Über all das kann man mal jammern. Denn wir leben in einem Sozialstaat, der durch diese Steuern ziemlich leistungsfähig ist, viele Angebote bereitstellt und für Sicherheit sorgt. Über die Verteilung kann man streiten, aber deshalb gehen wir doch zu Wahlen. Die Hundesteuer hingegen ist merkwürdig. Es ist eine reine Luxussteuer, die in ihrem Ursprung besonders wohlhabende Bürger stärker an der Steuerlast der Kommunen beteiligen sollte. Erfasst wurden neben Hunden zum Beispiel auch Klaviere und Hausangestellte. Wer sich so etwas leisten konnte, musste ein gut gefülltes Portemonnaie haben. Für Klaviere wird heute die Mehrwertsteuer – wie für fast alles – fällig. Haushaltsnahe Dienstleistungen kann ich inzwischen sogar steuerlich geltend machen. Nur die Hunde hat man noch am Wickel. Und die Hundesteuer zahlt jeder unabhängig von seiner Einkommenssituation. Sie ist zudem nicht zweckgebunden und die Einnahmen müssen nicht zur Einrichtung und Unterhaltung von Hundefreiauslaufflächen verwendet werden. Sie können auch in den Dienstwagen des Bürgermeisters angelegt werden. Kurz: Finde ich nicht gut.“

 

Was würden Sie sich als Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) für Verbesserungen für Hunde wünschen? Welche Anliegen sind Ihnen bzw. dem VDH besonders wichtig?

Da machen Sie jetzt aber ein Fass auf. Da käme eine lange Liste zustande. Blicken wir also auf aktuelle Themen. Und da sind wir beim Welpenhandel. Denn der stellt das Problem beim Thema Hund schlechthin dar. Corona schädigt zwar viele Wirtschaftszweige. Der Handel mit Welpen und Hunden wurde jedoch befeuert. Die meist kriminellen Anbieter nutzen Online-Portale wie ebay-Kleinanzeigen um ihre meist zu jungen, kranken Tiere anzubieten. Sie treffen auf eine Nachfrage, die seriöse Züchter und Tierschutzorganisationen gar nicht decken können. Da verliert mancher auch schon mal vorübergehend den Verstand und lässt sich in seinen Entscheidungen von Emotionen leiten. Wenn es um Welpen geht, ist es schwer, Gefühle ganz auszuschalten. Sie sind halt „niedlich“. Aber die Anschaffung eines Hundes ist langfristig. Ein gesunder mittelgroßer Hund wird durchaus 15 Jahre alt… Da sollte man sich bei dessen Anschaffung auch Zeit nehmen. Und vor allem einen seriösen Partner finden. Bei fast allen größeren Anschaffungen werden zuvor Testberichte studiert oder der Rat eines Experten aus dem Bekanntenkreis gesucht. Beim Welpenkauf genügt nicht selten eine Suchmaschine im Internet und dann – dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Leider weigert sich – bei uns in Deutschland – die Politik beharrlich eine generelle Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht einzuführen und den Onlinehandel so zu kontrollieren, dass wir vor unlauteren Angeboten geschützt werden. So ist dann jeder selbst gefordert. Informieren Sie sich, hier gibt es ein Angebot: www.wuehltischwelpen.de

 Ich bedanke mich herzlich bei Udo Kopernik für seine ausführlichen Antworten und die Zeit, die er sich für das Interview genommen hat.

Weitere interessante Informationen rund um den Hund findet man unter: https://www.vdh.de/home/

Herzliche Grüße

Sandra Fiedler 

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