Außen 1899 - innen 2021, das Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus. (Foto: Anja Fiedler)

 

Köln - 01.10.2021

Wilder Dschungel mitten im Großstadtdschungel -  "Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus" im Kölner Zoo eröffnet

Nach 28 Monaten Bauzeit war es endlich soweit. Am 30.09.2021 wurde das aufwendig kernsanierte "Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus", früher "Historisches Südamerikahaus" genannt, im Kölner Zoo eröffnet. Es ist eines der größten Bauprojekte der jüngeren Zoogeschichte. Doch die 12 Millionen Euro Baukosten und die aufwendige Sanierung haben sich gelohnt. Kölns neue Dschungelerlebniswelt bietet einen rund 2.000 qm großen Besucherbereich mit einem begehbaren Steg mitten durch den "Dschungel". Der Besucher flaniert vorbei an sich frei bewegenden Faultieren, Brüllaffen, Silber- und Löwenkopfäffchen sowie exotischen Vögeln, denen man ganz nah kommen kann. In eigenen Anlagen leben außerdem Salzkatzen, Piranhas, Tukane, Gürteltier und weitere tierische Bewohner Mittel- und Südamerikas. Freunde botanischer Kostbarkeiten, die sich an Raritäten wie Kakao- und Breiapfelbaum, Kaffeestrauch und seltenen Bromelien erfreuen, können hier viel entdecken.

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Action!
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Bromelie
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Auch die geladenen Gäste waren beeindruckt. Die Zoo-Vorstände Prof. Theo B. Pagel und Christopher Landsberg begrüßten u.a. Dr. Ralf Heinen, Bürgermeister der Stadt Köln, Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Vizepräsidentin der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, Lutz Heitmüller, Vorstand Deutsche Stiftung Denkmalschutz, und Dr. Ralf Unna, Zoo-Aufsichtsratsvorsitzender. In kurzen Redebeiträgen wurden interessante Fakten, aber auch persönliche Eindrücke, geschildert. So erfuhr man z. B. von Prof. Theo Pagel, dass die neuen tierischen Bewohner die Pflanzen im Haus “zum Fressen gern haben” und dadurch den zuständigen Gärtnern einige Kopfschmerzen bereitet haben. Bromelien finden die Tiere z. B. “affenstark” und sehen diese als kulinarische Delikatesse an.

Prof. Theo Pagel und Christopher Landsberg
Prof. Theo Pagel und Christopher Landsberg
v.l.n.r. B. Schock-Werner, R. Heinen, L. Heitmüller, T. Pagel, C. Landsberg, R. Unna
v.l.n.r. B. Schock-Werner, R. Heinen, L. Heitmüller, T. Pagel, C. Landsberg, R. Unna

Finanzierung

Die Finanzierung für die Sanierung dieses architektonischen Kleinods aus dem Jahr 1899 im Stil einer russisch-orthodoxen Kathedrale erfolgte aus Mitteln der Stadt Köln. Hinzu kommen Fördermittel der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Spendengelder des Zoo-Fördervereins. Der Zoo hat zudem Eigenmittel eingebracht. Der Name der Dschungelerlebniswelt ist dem Stifterehepaar Arnulf und Elizabeth Reichert gewidmet, die dem Zoo ihr Vermögen vererben werden.

Historie

Das „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ hat eine lange historische Geschichte. Es wurde im Jahr 1899 als Vogelhaus im Stil einer russisch-orthodoxen Kathedrale eröffnet und beherbergte zahlreiche seltene Vögel. Später wurden auf Initiative von Kölner Bürgern große Aquarien und Terrarien eingebaut, es wurde so auch zum ersten Kölner „Aquarium“. Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus stark beschädigt. 1952 erfolgte der Wiederaufbau und das einstige Vogelhaus wurde zum Affenhaus. Menschenaffen fanden dort ihre Heimat. Ab Mitte der 80er-Jahre wurden dort südamerikanische Primaten angesiedelt und es folgte die Umbenennung in „Südamerikahaus“. Doch der Zahn der Zeit nagte an dem Gebäude und es wurde baufällig. Die Kernsanierung, die im Jahr 2019 begann war dringend nötig und das Ergebnis überzeugt.

Gestaltung Dschungelerlebniswelt

Die besondere Herausforderung bestand darin, den Charakter des baufälligen Hauses möglichst originalgetreu zu bewahren – und gleichzeitig bei Tierhaltung, Technik und Besuchserlebnis modernsten Anforderungen gerecht zu werden. Gänzlich neue Dimensionen ergaben sich durch den Aufbruch der Bodendecke und den Einbau eines Steges in der ersten Baumetage. Bei Innenarchitektur, Strukturierung und Bepflanzung hatte man das ehrgeizige Ziel, die Besucher möglichst nah an die Tiere heranzubringen – ohne diese in ihrem natürlichen Verhalten zu stören.

Kopplung mit Artenschutz

Als Teil seines breiten Engagements für den Schutz der Biodiversität hat der Kölner Zoo die Sanierung an die Unterstützung eines Artenschutzprojekts im Ursprungsgebiet der Tiere, die im „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ leben, geknüpft. Konkret arbeitet der Zoo mit dem „International Tropical Conservation Fund“ zusammen. Gemeinsam erreichte man in den vergangenen Jahren u.a., dass im mittelamerikanischen Staat Belize ein mehr als 400 Quadratkilometer großes Schutzgebiet aus unterschiedlichen, seltenen und wertvollen Waldtypen – von Trocken- bis Regenwäldern – geschaffen wurde. Gleichzeitig werden Umweltbildungs- und Ökotourismus-Maßnahmen gefördert.

Persönliche Eindrücke

Allen Gästen merkte man die Begeisterung an. Sobald man das „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ betritt, fühlt man sich in einer anderen Welt. Ein Schritt und man ist vom „Großstadtdschungel“ im „wilden Dschungel“. Faultier, Affen, Gürteltier und Co. erlebt man hautnah. Mit einem Silberäffchen hatte ich besonders engen Kontakt. Es zeigte großes Interesse an meiner Fotokamera, die es ganz aus der Nähe interessiert betrachtete. Ein Tierpfleger erklärte, dass sich die Äffchen von den Reflektionen der Kameras und der Smartphones angezogen fühlen. So nutzten speziell die Silberäffchen das Steggeländer quasi als Laufsteg und präsentierten sich den Gästen. Dabei gelangen tolle und witzige Fotos, mir z. B. das Motiv „Keckes Silberäffchen mit Zungenspiel“ (s. Foto). Ich persönlich bin von der neuen Dschungelerlebniswelt im Kölner Zoo begeistert. In einem natürlichen und artgerechten Lebensumfeld begegnen einem die Tiere auf Augenhöhe. Sie allein entscheiden, wann sie näher kommen möchten oder lieber Abstand halten wollen. Dem Besucher bieten sich viele verschiedene interessante Perspektiven, aus denen es immer etwas Neues zu entdecken gibt.

Kurz und knapp: Einfach tierisch gut!

"Keckes Silberäffchen mit Zungenspiel" (Foto: Anja Fiedler)

Tierisches Resümee

“Außen 1899 – innen 2021!” Mit diesem Satz fasste Prof. Theo Pagel die Fertigstellung des Gebäudes zusammen. Das verdeutlicht noch einmal die gelungene Verbindung der Geschichte und Vergangenheit des Hauses mit der Gegenwart. Denn nicht nur bautechnisch hat sich viel verändert, sondern auch in der Tierhaltung. Zoos blicken “über ihren Tellerrand hinaus” und engagieren sich für Artenschutz und Biodiversität, so auch der Kölner Zoo. Zoos haben heutzutage eine Arche-Funktion, der eine immer bedeutendere Rolle in der Erhaltung gefährdeter Arten zukommt – auch für Wiederauswilderungen. So ist der Kölner Zoo einerseits ein Ort, um Unterhaltung, Spaß, Erholung und Bildung miteinander zu verbinden, andererseits aber auch ein wichtiger Akteur weltweiter Natur- und Artenschutzinitiativen.

Nur so kann es gelingen natürliche Lebensräume für Wildtiere zu erhalten und Arten zu schützen.

Ich verbleibe mit tierisch freundlichen Grüßen

Anja Fiedler

  • Das Faultier hat alles im Blick.
  • Es schmeckt!
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