
Am gestrigen Abend verwandelte sich der Martinussaal Stommeln in einen Hotspot vielseitigen Humors. Die Stand-Up Comedy Show „Böse Zungen“ kehrte für ihre zweite Ausgabe zurück und bewies eindrucksvoll, dass erstklassige Comedy keine Großstadtbühne braucht, wenn die Atmosphäre stimmt.


Ein Erfolgskonzept kehrt heim
​Nach der gelungenen Premiere im letzten Jahr brachten Veranstalter Raphael Ohly (Agentur Fastelovendsjeck) und Comedian Djavid Sediqi ihr Erfolgskonzept am 18. April 2026 zurück nach Stommeln. Von 19 bis 22 Uhr herrschte im vollen Martinussaal eine fast schon familiäre „Wohnzimmeratmosphäre“. Es war ein Abend unter Freunden, bei dem kein Auge vor Lachen trocken blieb.


Djavid: Der Host mit der ansteckenden Lache
​Durch den Abend führte Djavid, der als Host seine Comedy-Kollegen begrüßte und auch selbst die Zuschauer begeisterte. Dass das Publikum ihn liebt, zeigte sich schon zu Beginn: Auf seine Begrüßung folgte ein begeistertes, vielstimmiges „Och nö!“ – in Stommeln offensichtlich die höchste Form der Anerkennung.



​Djavid berichtete amüsant von seinem Alltag mit „verpeilten Kollegen“ und verriet seinen ultimativen Grammatik-Hack: Wenn er nicht weiß, welchen Artikel er im Deutschen nutzen soll, wird einfach alles verniedlicht – denn am Ende ist es immer „das“. Ob Verwirrungen um „ein Termin“ („mit aynen / einen“) oder sein spezielles Verhältnis zu Fleisch („Weil er gerne Mett mag, hat er Beef.“) – Djavid traf den humoristischen Nerv. Das absolute Highlight war jedoch seine markante Lache. In der Pause wurde sogar der Wunsch laut, dieses Lachen als Handyklingelton herunterladen zu können.

​Von Gossip-Königen und fliegenden Toiletten
​Das Line-up des Abends bot eine enorme Bandbreite an skurrilen Geschichten.
​Serkan Ates-Stein bekannte sich offen zu seiner Liebe für Gossip. Sein Gag zu dem Satz „Eigentlich darf ich dir das ja gar nicht sagen.“ sorgte für viele Lacher. Er erzählte von seiner Kindheit mit Klassikern wie Kemal der Frosch oder Habibi Blocksberg und seiner denkwürdigen Betitelung als „Tarzan“ während seines FSJ im Altenheim.



​Claudius Pläging nahm das Publikum mit zurück in seine Schulzeit – zu den glorreichen Tagen der Schach-AG und der (etwas spezielleren) Laminier-AG. Besonders skurril wurde es bei seinen Träumen von fliegenden Toiletten über Paris und seiner tiefgründigen Analyse von Sprichwörtern wie z.B. „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“, „Wer zuerst kommt mahlt zuerst.“ oder „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.“.



​Matthias Otte sieht mit Bart aus wie ein gestandener Mann, ohne jedoch, nach eigener Aussage, wie das „Zwieback-Kind“. Er berichtete von den Tücken in der Beziehung, etwa wenn man die Freundin mit dem (nur) zweitbesten Geschenk aller Zeiten zum Weinen bringt oder die Panik aufkommt, wenn der Satz fällt: „Schatz, wir müssen reden.“



Zwischen Karl Lauterbach und dem Cousin von Jesus
Auch die weiteren Acts sorgten für erstklassige Unterhaltung.
​Johannes Steuding bezeichnet sich optisch als eine faszinierende Mischung aus Harry Potter und Karl Lauterbach (oder auch Karl Lauterlach). Er philosophierte über die „Tüten-Tüte“ (die Tüte für die Tüten, die jeder zu Hause hat) und die drei klassischen Arten von Bahngästen, die jeder im Saal wiedererkannte.



Den Abschluss machte Mika Pues, der von seinem viel zu spät erfolgten Wechsel vom Kinderarzt zum Hausarzt erzählte. Als Sohn eines evangelischen Pfarrers stellte er zudem fest, dass er quasi der „Cousin von Jesus“ sei. Seine Schilderung eines Feuers im Escape Room setzte dem Wahnsinn die Krone auf.



​Fazit: Ein Gewinn für die Region
Die zweite Ausgabe von „Böse Zungen“ war ein voller Erfolg. Die Mischung aus hochkarätigen Comedians und der intimen, herzlichen Atmosphäre im Martinussaal macht dieses Format einzigartig. Stommeln hat bewiesen, dass es ein fantastisches Publikum ist, das ehrliche Stand-Up Comedy zu schätzen weiß. Die Standing Ovations zum Schluss der Veranstaltung waren absolut verdient. Man darf hoffen, dass Raphael Ohly und Djavid Sediqi dieses Format fest im Veranstaltungskalender etablieren – denn Abende wie dieser sind Balsam für die Seele.




