
An dieser Stelle veröffentlichen wir einen Gastbeitrag von Patrick Böschen. Er lebt mit seiner Familie in Sinthern und war potenzieller Bewerber für das Amt des stellvertretenden Verbandsvorstehers und Geschäftsführers des Bachverbandes. In seinem Gastbeitrag schildert Patrick Böschen seine persönlichen Eindrücke im Hinblick auf die Verbandsversammlung des Unterhaltungsverbandes Pulheimer Bach vom 31.03.2026. An diesem Abend wurde Gert Lauterbach zum neuen Verbandsvorsteher gewählt. Der Gastbeitrag wurde nicht von der Redaktion beauftragt und spiegelt nicht deren Meinung wider. Im Sinne der Meinungsfreiheit wurde der Beitrag redaktionell nicht bearbeitet.
Gastbeitrag von Patrick Böschen – Eklat beim Bachverband: Intransparenz und mangelnde Wertschätzung gegenüber ehrenamtlichen Bewerbern
Nach der Grundsatzentscheidung des Umwelt- und Planungsausschusses vom 28.01.2026 den Bachverband unter der alleinigen Trägerschaft der Stadt Pulheim fortzuführen, sollte eine ordentliche Verbandsversammlung am 31.03.2026 den Weg in die Zukunft ebnen. Doch statt eines demokratischen Neuanfangs endete die Sitzung in einem Eklat und wirft nun Fragen bezüglich des Umgangs mit ehrenamtlichem Engagement auf.
Form- und fristgerechte Einladung durch Horst Engel
Der langjährige Verbandsvorsteher Horst Engel war vom Ausschuss gebeten worden, eine ordentliche Verbandsversammlung einzuberufen, um einen neuen Vorstand zu wählen. Dieser Bitte kam Engel form- und fristgerecht nach. Ziel war es u.a., die personelle Weichenstellung für einen Verband zu treffen, der trotz reduzierter Mitgliederzahl weiterhin qualitativ hochwertige Arbeit leisten soll.

Sitzungsausschluss der Bewerber sorgt für Unmut
Zur Versammlung erschienen neben den stimmberechtigten Mitgliedern auch interessierte Ratsmitglieder sowie die potenziellen neuen Vorstandskandidaten, die auf Vorschlag des scheidenden Vorstehers bereitstanden. Auf Intervention von Vertretern der Stadt Bergheim hin, wurde jedoch darauf bestanden, dass die Sitzung nicht öffentlich sei. Gemäß der Satzung mussten daraufhin alle Personen, die nicht direkt der Verbandsversammlung angehören – einschließlich der potenziellen Vorstände und Ratsmitglieder – den Raum verlassen. Die Bewerber zeigten sich kooperativ und erklärten sich bereit, vor der Tür auf Abruf zu warten, um spätestens zum eigentlichen Wahlprozess wieder hinzugerufen zu werden.
Wahl in Abwesenheit: Ein Affront gegen das Ehrenamt
Entgegen dieser expliziten Absprache wurden die wartenden Bewerber jedoch nicht mehr kontaktiert. Während sie vor verschlossenen Türen warteten, wurde die Wahl ohne ihre Anwesenheit und ohne die Möglichkeit einer persönlichen Vorstellung durchgeführt. Es ist aus meiner Sicht absolut inakzeptabel, wie hier mit Menschen umgegangen wurde, die bereit waren, ein verantwortungsvolles Ehrenamt zu übernehmen. Die Art und Weise, wie mit den Kandidaten umgegangen wurde – die zuvor vom ehemaligen Verbandsvorsteher offiziell zur Wahl vorgeschlagen worden waren – wird kritisch bewertet. In diesem Zusammenhang fallen vereinzelt auch deutliche Wertungen, etwa dass das Vorgehen als unangemessen oder wenig respektvoll empfunden worden sei. Bis zum heutigen Tag erfolgte seitens der Verantwortlichen (mit Ausnahme von Horst Engel) keinerlei Kontaktaufnahme oder Erklärung gegenüber den übergangenen Bewerbern.
Im Zusammenhang mit der Wahl ist bei einigen Beobachtern der Eindruck entstanden, dass der Ausgang möglicherweise bereits im Vorfeld schon feststand. Vor diesem Hintergrund wird vereinzelt die Frage aufgeworfen, inwieweit alternative Kandidaturen tatsächlich ergebnisoffen in den Prozess eingebunden waren.
Unabhängig davon kann eine solche Wahrnehmung das Vertrauen in die Transparenz und Fairness des Verfahrens beeinträchtigen. Dies wirft zugleich die grundsätzliche Frage auf, wie es künftig gelingen kann, Bürgerinnen und Bürger für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen, wenn Zweifel an der Offenheit möglicher politischer Entscheidungsprozesse bestehen.

Neuer Verbandsvorsteher fachlich geeignet? Sicherheit für Anwohner gefährdet?
Mit Blick auf seine öffentlich bekannte berufliche und politische Tätigkeit – darunter Funktionen als Ratsmitglied, Ortsvorsteher sowie weitere Vorsitze – wird die Frage aufgeworfen, inwieweit ausreichend zeitliche Kapazitäten für die Ausübung des Amtes zur Verfügung stehen. Zudem wird in diesem Zusammenhang thematisiert, welche fachlichen Erfahrungen im Bereich der Wasserwirtschaft in die neue Funktion eingebracht werden können. Er verwiese hier auf Fachleute innerhalb der Stadtverwaltung, die ihn beratend unterstützen. Diese Strategie wird als hochgefährlich betrachtet. Die Anwohner entlang des Bachverlaufs sind darauf angewiesen, dass die Verbandsführung insbesondere in Krisensituationen – etwa bei plötzlichen Starkregenereignissen – sofort und mit eigenem Sachverstand handlungsfähig ist. Ein Überlaufen des Baches führt nicht nur zu vollgelaufenen Kellern und finanziellen Katastrophen, sondern kann im Ernstfall lebensbedrohlich sein.

Fehlende Reaktionsfähigkeit bei Extremwetter?
Besonders kritisch wird die Abhängigkeit von der Stadtverwaltung gesehen. Wetterereignisse halten sich nicht an Dienstzeiten. Wenn am Wochenende schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen, stellt sich die Frage: Wer in der Stadtverwaltung ist dann erreichbar und handlungsfähig?
Die Geschichte zeigt, dass politisches Fehlmanagement in Umweltfragen fatale Folgen haben kann. Verweise auf das Versagen während der Ahr-Katastrophe oder andere Krisenfälle verdeutlichen, dass ein „Management auf Abruf“ ohne eigene fachliche Tiefe und persönliche Präsenz vor Ort Menschenleben kosten kann.
Forderung nach Sinn und Sachverstand
Ziel der Neuausrichtung sollte es nie sein, den Bachverband lediglich formal zu erhalten. Es geht darum, die hohe Qualität und die fachliche Sicherheit, die unter der Ägide des bisherigen Verbandsvorstehers Horst Engel gewährleistet waren, fortzuführen. Ein Verband, dessen Spitze die Komplexität der Wasserwirtschaft möglicherweise nicht durchdringt, wird den realen Gefahren des Klimawandels und des Hochwasserschutzes nicht gerecht.
„Es bleibt ein fader Beigeschmack.“ (Patrick Böschen)

Zusatzinfos der Redaktion: Das Thema „Unterhaltungsverband Pulheimer Bach“ steht im Rat am 19. Mai 2026 wieder auf der Tagesordnung. Die Sitzung ist öffentlich. Hier geht’s zur Beschlussvorlage der Verwaltung! Die Stadt Bergheim verfolgt weiterhin das Ziel, dass der Bachverband aufgelöst werden soll. Sie beanstandet u. a. die letzte Beitragsfestsetzung des Verbandes.
Weitere Zusatzinfos der Redaktion: Der langjährige Verbandsvorsteher Horst Engel hat das Wahlverfahren in der Verbandsversammlung am 31.03.2026 bei den Behörden aus zwei Gründen beanstandet: Es gab zwei Kandidaten, aber nur ein Kandidat hatte die Möglichkeit sich persönlich den Mitgliedern der Verbandsversammlung vorzustellen. Das ist ein Verstoß gegen das Rechtsstaatsprinzip der Chancengleichheit, meint Horst Engel. Dieser Verstoß ging nach seiner Auffassung einher mit der Nichtbeachtung des Prinzips der Bestenauslese, gemäß Art. 33 Absatz 2 Grundgesetz. „Von den beiden Kandidaten erfüllte ausgerechnet nur der Kandidat, der keine Chance hatte sich persönlich vorzustellen ausnahmslos alle fachlichen Voraussetzungen.“ (Horst Engel) Der Ausgang der Beanstandungen ist noch offen.
Pulheim-Report bleibt am Thema dran!
