
Unsere Redaktion erreichte ein dramatischer Appell der KG Stommeler Buure. Darin wird deutlich, dass die Zukunft des Stommeler Karnevals gefährdet ist. Hier der volle Wortlaut:
80 Jahre Tradition – und eine ungewisse Zukunft
Der Stommeler Karneval steht vor einer ernsten Bewährungsprobe. Seit Jahren sinken die Besucherzahlen – und das trotz hochwertig besetzter Veranstaltungen, großem ehrenamtlichen Engagement und eines Programms, das über Jahrzehnte fest zum
Dorfleben gehört. Seit 80 Jahren prägt der Karneval das gesellschaftliche Leben in Stommeln. In dieser Session feiert die Karnevalsgesellschaft ihr 80-jähriges Jubiläum. Ein Anlass, der eigentlich für volle Zelte, lebendige Marktplätze und ausgelassene Stimmung stehen sollte. Stattdessen wächst die Sorge um die Zukunft dieses Brauchtums. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich deutlich verschärft. Künstler werden lange im Voraus gebucht, Technik, Sicherheit und Organisation verursachen hohe Fixkosten. Gleichzeitig bleiben immer häufiger Plätze leer. Was nach außen wie ein schleichender Rückgang wirkt, entwickelt sich intern zu einer existenziellen Herausforderung.
Die aktuelle Situation: Zahlen, die alarmieren
Schon in der laufenden Session zeigt sich die angespannte Lage dramatisch. Für die Herrensitzung sind noch 80 Karten verfügbar, für den WieverDanz sogar noch rund 200. Die Herrensitzung und der WieverDanz, traditionell zwei tragende Säulen des Programms, sind nicht ausverkauft. Jeder freie Platz bedeutet fehlende Einnahmen – und verschärft die finanzielle Situation weiter. Hinter jeder dieser Veranstaltungen stehen Dutzende Ehrenamtliche, die seit Monaten planen, organisieren und ihre Freizeit
investieren. Für sie ist jeder leere Platz nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch persönlich enttäuschend.
Setzt sich dieser Trend fort, wird es voraussichtlich bereits in der kommenden Session notwendig sein, das karnevalistische Angebot drastisch zu reduzieren – ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Diese Einschnitte wären keine freiwillige Entscheidung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Was konkret auf dem Spiel steht
Die Veranstaltungen Herrensitzung, WieverDanz und Fastelovendsjeck müssten vollständig aus dem Programm gestrichen werden. Ein Festzelt auf dem Marktplatz würde es nicht mehr geben. Tanzveranstaltungen könnten – wenn überhaupt – nur noch
in deutlich kleinerem Rahmen in der Christinahalle stattfinden. Gleiches gilt für die After-Zoch-Party, die dann überwiegend den Zugteilnehmern und Mitgliedern vorbehalten wäre. Auch die Kindersitzung müsste in stark reduzierter Form in die Christinahalle
verlegt werden. Damit würde nicht nur das Angebot schrumpfen, sondern auch der gewohnte Ablauf der Session verloren gehen: zunächst die Herrensitzung, dann der WieverDanz, anschließend der Fastelovendsjeck, gefolgt von Weiberfastnacht, dem
Karnevalssamstag und schließlich dem gemeinsamen Abschluss nach dem Zoch.
Was das für Stommeln bedeutet
– kein Festzelt mehr auf dem Marktplatz,
– kein Weiberfastnachtstreiben für die Pänz im Herzen des Dorfes,
– keine eigenen Kinder mehr auf der großen Bühne, auf der Generationen vor ihnen ihre
ersten karnevalistischen Schritte gemacht haben,
– und kein bunt gefülltes Zelt mehr nach dem Zoch – sondern ein Lindwurm, der sich
durch den Ort zieht und schließlich im Nichts verläuft.
Der Karneval ist in Stommeln weit mehr als Unterhaltung. Er ist Brauchtum, Identität und ein verbindendes Element der Dorfgemeinschaft. Er lebt davon, dass Menschen kommen, Karten kaufen, Veranstaltungen besuchen und ihn bewusst unterstützen.
Jetzt handeln – oder zusehen, wie eine Tradition stirbt
Der Appell ist deshalb eindeutig und dringend:
Kaufen Sie Karten. Kommen Sie zu den Veranstaltungen. Bringen Sie Familie und Freunde mit. Zeigen Sie, dass Ihnen der Stommeler Karneval wichtig ist – solange es ihn noch gibt.
Noch leuchten die Lichter im Zelt. Ob sie auch in Zukunft leuchten werden, entscheidet sich jetzt.
(Quelle: KG Stommeler Buure)