
„Karneval, Kostüme und pure Lebensfreude – ganz ohne Kater am nächsten Morgen. Wenn am 6. Februar im Schützenhaus Brauweiler wieder die Bässe dröhnen, beweisen die Brauweiler Karnevalsfreunde (BKF) zum dritten Mal, dass die Jugend das Brauchtum liebt, wenn man es ihr auf Augenhöhe präsentiert. „Loss jonn – mach met!“ ist mehr als eine Party; es ist ein Statement für einen respektvollen Fastelovend ohne Alkohol. Wir haben nachgefragt: Wie hat sich die Party zum Trendsetter entwickelt?“ Der Präsident der BKF, Michael Weyergans, und Jan Kischkewitz (Presse und Social Media BKF) gewähren uns spannende Einblicke in die Organisation und hinter die Kulissen der Jugendparty „Loss jonn – mach met!“
Michael Weyergans und Jan Kischkewitz im Interview
1. Die dritte Auflage von „Loss jonn – mach met!“, der Jugendparty für Jugendliche von 12 bis 16 Jahren ohne Alkohol, startet am 6. Februar 2026. Wenn ihr auf die Premiere zurückblickt – was hat sich seitdem verändert?
Michael Weyergans: „Seit der Premiere hat sich vor allem eines verändert: Das Format ist richtig angekommen. Wir spüren deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Region, aber auch aus dem Umfeld des Kölner Karnevals. Der Zuspruch von Jugendlichen, Eltern und Begleitpersonen ist stetig gewachsen – und damit auch das Vertrauen, dass dieses Angebot gebraucht wird.
Besonders bemerkbar ist das in der Zusammenarbeit mit den Bands: Während wir am Anfang viel erklären mussten, was eine alkoholfreie Jugendparty im Karneval eigentlich bedeutet, ist „Loss jonn – mach met!“ inzwischen etabliert. Wir werden mittlerweile aktiv noch vor dem Vorverkaufsstart angesprochen – das ist für uns ein starkes Zeichen, dass die Idee überzeugt und sich herumgesprochen hat.“
2. Wie schafft ihr den Spagat zwischen „traditionellem Brauchtum“ und moderner Club-Atmosphäre, damit die Jugendlichen nicht das Gefühl haben, auf einer „Kinderparty“ zu sein?
Jan Kischkewitz: „Uns war von Beginn an wichtig: „Loss jonn – mach met!“ soll sich nicht wie eine „Kinderveranstaltung“ anfühlen, sondern wie eine echte Party – nur eben konsequent ohne Alkohol und in einem sicheren Rahmen. Deshalb ist das Format bewusst keine Sitzung und keine klassische Vereinsveranstaltung, sondern ein Partyabend mit allem, was Jugendliche heute erwarten.
Dazu gehören ein professioneller DJ, eine hochwertige Licht- und Tontechnik und vor allem die Nähe zur Bühne: Die Jugendlichen stehen nicht „weit weg“, sondern erleben die Bands ganz direkt. Diese Energie sorgt automatisch für Club-Atmosphäre.
Gleichzeitig bleiben wir klar im karnevalistischen Kontext: Wir feiern Karneval mit kölscher Musik, Kostümen und Stimmung – ohne die negativen Begleiterscheinungen, die Jugendliche oft damit verbinden. Junge Menschen führen wir an traditionellere Elemente eher über andere Formate im Vereinsleben heran. Bei der Jugendparty ist unsere eigene Tanzgruppe aber bewusst dabei – sie ist altersmäßig sehr nah an den Gästen und schafft eine Brücke zwischen modernem Partygefühl und gelebtem Brauchtum.“
3. Wenn das Kölsch wegfällt – was sind die „Renner“ an der Bar? Gibt es spezielle „Loss jonn“-Mocktails oder Trends bei den alkoholfreien Getränken?
Jan Kischkewitz: „Wir erleben, dass die Jugendlichen bei alkoholfreien Getränken sehr offen sind – da gibt es nicht „den einen“ Renner, sondern eine breite Mischung. Klassiker wie Cola, Limo, Wasser und verschiedene Softdrinks funktionieren genauso wie Fruchtschorlen. Die Idee mit einem Loss Jonn Mocktail nehmen wir aber mal direkt auf, vielleicht fällt uns da noch was ein!
Ein echtes Highlight ist jedes Jahr unsere Candy-Bar, die von unseren DänzPänz organisiert wird. Das ist mehr als „nur Süßes“: Es gehört inzwischen zur Identität der Party, ist ständig umlagert und sorgt für dieses besondere Jugendparty-Feeling.“
4. Bei der letzten Präsentation für die Presse hieß es, die Jugendlichen hätten Musikwünsche geäußert. Konntet ihr für 2026 einen dieser „Star-Wünsche“ erfüllen?
Michael Weyergans: „Die Bands, die 2026 dabei sind, sind immer echte Größen des Kölner Karnevals – also genau das, was Jugendliche kennen und feiern. Insofern kann man sagen: Ja, wir erfüllen auch in diesem Jahr wieder „Star-Wünsche“, weil die Künstlerinnen und Künstler wirklich zur ersten Liga gehören.
Ein besonderer Punkt ist für uns, dass ALUIS bereits zum dritten Mal dabei ist und erneut die musikalische Schirmherrschaft übernimmt. Das ist nicht selbstverständlich, und es macht uns ein Stück weit stolz, weil es zeigt: Das Format hat sich nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Acts etabliert.“

(Fotoveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung)
5. Gibt es Bands, die nach ihrem Auftritt bei „Loss jonn“ gesagt haben: ‚Das hat uns die Augen geöffnet, wie viel Spaß Karneval ohne Exzesse und Alkohol macht‘? Hat das Format vielleicht sogar bei den Künstlern selbst Eindruck hinterlassen?
Michael Weyergans: „Wir erleben bei den Künstlern vor allem eines: große Wertschätzung für die Atmosphäre. Die Stimmung ist extrem ausgelassen, aber gleichzeitig respektvoll und friedlich – und genau das ist ja unsere Botschaft. Karneval kann laut, wild und frei sein, ohne dass Alkohol eine Rolle spielt.
Dass das auch bei den Bands ankommt, merken wir daran, dass ALUIS nun schon zum dritten Mal dabei ist und sich aktiv als musikalischer Schirmherr einbringt. Diese Kontinuität ist für uns das stärkste Feedback: Offenbar macht es auch den Künstlern Spaß, eine Generation zu erleben, die einfach aus purer Freude mitsingt und mitgeht.“
6. Was treibt euch persönlich an, so viel ehrenamtliche Zeit in eine Veranstaltung zu stecken, an der ihr selbst (wegen der Altersbeschränkung) nur als Organisator teilnehmen könnt? Wie viele Stunden Arbeit stecken insgesamt in der Planung für diesen einen Abend am 6. Februar?
Jan Kischkewitz: „Der wichtigste Antrieb ist tatsächlich die Überzeugung, dass Jugendliche ein eigenes, altersgerechtes Karnevalsangebot brauchen – eines, das Spaß macht, aber gleichzeitig Schutz und Orientierung bietet. „Loss jonn – mach met!“ ist für uns alle eine absolute Herzensangelegenheit.
Wenn die Party vorbei ist, beginnen im Grunde schon die nächsten Schritte – wir denken jetzt bereits an 2027. Viele, viele Vereinsmitglieder helfen mit, es ist echte Teamarbeit: von Planung, Abstimmungen und Sicherheitskonzept über Technik, Aufbau, Einlass, Betreuung bis hin zur Nachbereitung.
Wie viele Stunden das exakt sind, lässt sich schwer in eine Zahl pressen – aber es sind sehr viele Ehrenamtsstunden, verteilt auf viele Schultern. Die Belohnung kommt in dem Moment, in dem man mitten im Saal steht und diese besondere Stimmung spürt: Jugendliche, die ausgelassen feiern, ohne Stress, ohne Streit, ohne Alkohol.“
7. Brauweiler ist ein geschichtsträchtiger Ort. Wie fühlt es sich an, moderne Jugendkultur direkt im Schatten der Abtei beziehungsweise im lokalen Schützenhaus zu etablieren?
Michael Weyergans: „Das fühlt sich sehr stimmig an. Brauweiler steht für Geschichte und Tradition – und gleichzeitig ist es ein lebendiger Ort, in dem sich Gemeinschaft entwickelt. Dass wir moderne Jugendkultur im Schützenhaus etablieren können, passt deshalb gut: Es zeigt, dass Brauchtum nicht stehen bleiben muss, sondern sich weiterentwickeln kann.
Und wichtig ist uns auch: Wir sind natürlich nicht die einzigen, die in Brauweiler engagierte Jugendarbeit machen. Es gibt hier viele gute Ansätze und Initiativen – „Loss jonn – mach met!“ ist ein zusätzlicher Baustein, der zeigt, wie man Jugendliche erreichen kann.“
8. Es ist zu beobachten, dass das Format Nachahmer findet. Glaubt ihr, dass der „alkoholfreie Karneval“ für Jugendliche gerade zu einem Trend in der Region wird?
Michael Weyergans: „Wir freuen uns sehr, wenn unser Konzept Nachahmer findet. Das ist für uns eine echte Bestätigung unserer Pionierarbeit und zeigt, dass der Bedarf da ist. Wenn andere Vereine ähnliche Angebote aufbauen, profitieren am Ende die Jugendlichen – und genau darum geht es.
Wir beobachten außerdem, dass die jungen Generationen insgesamt deutlich weniger Alkohol konsumieren und auch anders feiern wollen. Viele möchten Spaß haben, ohne Druck, ohne Exzesse, ohne Streit. Insofern passt „alkoholfreier Karneval“ für Jugendliche sehr gut in die Zeit – und es könnte tatsächlich ein Trend werden, wenn man diese Entwicklung ernst nimmt.“
9. Die Jugendparty ist laut euren Aussagen keine Veranstaltung, mit der der Verein Geld verdienen möchte, sondern soll Jugendlichen ein altersgerechtes Umfeld zum Karneval feiern bieten. Wie schwierig ist es, in der heutigen Zeit Sponsoren zu finden, die ein Projekt unterstützen, das primär auf Prävention und Brauchtum setzt?
Michael Weyergans: „Solche Projekte brauchen verlässliche Partner – und wir sind sehr dankbar, dass wir diese haben. Seit Jahren unterstützen uns wieder die Sparkasse und die Volksbank als starke, stabile Sponsoren. Diese Kontinuität ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich.
Dazu kommt die Unterstützung durch die Stadt Pulheim mit Bürgermeister Frank Keppeler und durch den Landrat des Rhein-Erft Kreises Frank Rock. Beide haben sich sofort bereit erklärt auch bereits zum dritten Male die Schirmherrschaft zu übernehmen und sind auch immer selbst dabei. Für uns ist das ein starkes Signal: Die Idee wird nicht nur vom Verein getragen, sondern auch gesellschaftlich und politisch als wichtig erkannt.“
10. Gibt es vielleicht eine Anekdote oder ein besonderes Erlebnis im Zusammenhang mit „Loss jonn – mach met!“?
Jan Kischkewitz: „Es gibt jedes Jahr sehr viele kleine und große Momente, die uns zeigen, warum sich der Aufwand lohnt. Besonders eindrücklich ist dieses Bild: Der ganze Saal singt und tanzt, in einem sicheren Umfeld – und es ist eine wunderbare bunte Masse an Begeisterung.
Für mich persönlich war einer einer dieser „Gänsehaut-Momente“ bei der „Loss Jonn“ Premiere: Alle im Saal sangen aus voller Kehle zu „Alle Jläser huh“ mit – und dann natürlich Cola oder Limo in der Hand haben. Genau das ist die Botschaft der Party in einem einzigen Augenblick: Karneval geht ausgelassen, wild und fröhlich – ganz ohne Alkohol.“

11. Wenn ihr die Party „Loss jonn – mach met!“ in nur drei Worten beschreiben müsstet, welche wären das?
Jan Kischkewitz: „Laut. Wild. Wunderbar.“
12. Wo soll „Loss jonn – mach met!“ in fünf Jahren stehen? Wird die Party irgendwann so groß, dass das Schützenhaus nicht mehr ausreicht?
Michael Weyergans: „Wir wissen gar nicht, ob reines Wachstum der richtige Maßstab ist. Natürlich freuen wir uns über steigenden Zuspruch – aber das Besondere an „Loss jonn – mach met!“ ist die Atmosphäre. Im Schützenhaus sind die Jugendlichen ganz nah dran an den Bands, und genau dieses direkte Erlebnis gibt es so kaum ein zweites Mal.
Unser Ziel ist deshalb vor allem, die Qualität und den Charakter zu bewahren: ein sicheres, altersgerechtes Partyformat, das Karneval positiv besetzt – ausgelassen, respektvoll und ohne Alkohol. Wenn uns das auch in fünf Jahren gelingt, sind wir sehr zufrieden.“
Fazit
Man spürt: Hier wird Brauchtum nicht nur verwaltet, sondern mit frischer Energie für die Zukunft fit gemacht. Loss jonn – mach met! zeigt hautnah, wie die nächste Generation den Karneval rockt, ganz ohne Alkohol. Vielleicht ist das auch ein Ansatz für den Karneval unter Erwachsenen. Wir bedanken uns bei den Brauweiler Karnevalsfreunden für die interessanten Einblicke und wünschen eine friedliche, stimmungsvolle dritte Auflage von ‚Loss jonn – mach met!‘. Der rheinische Status „Einmal ist keinmal, zweimal ist Tradition, dreimal ist Brauchtum“ ist auf jeden Fall erreicht. In diesem Sinne: Alaaf!
Hier findet ihr alle wichtigen Informationen zu „Loss jonn – mach met!“ Vielleicht ergattert ihr noch Tickets!
