Wölfe im Rhein-Erft-Kreis: Gekommen, um zu bleiben?

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Von: Anja Fiedler

Wölfe im Rhein-Erft-Kreis: Gekommen, um zu bleiben? (Foto: Pixabay)
Wölfe im Rhein-Erft-Kreis: Gekommen, um zu bleiben? (Foto: Pixabay)

In den letzten Tagen gab es erneut einige Wolfssichtungen im Rhein-Erft-Kreis. Die zuständigen Behörden sprechen von durchziehenden Jungwölfen. Doch ist das wirklich so? Kann es nicht sein, dass sich bereits mehrere Wölfe im Rhein-Erft-Kreis dauerhaft angesiedelt haben? Viele Menschen im Kreis sind verunsichert und möchten Antworten. Doch viel Konkretes kommt nicht von den zuständigen Behörden. Dieser Artikel soll das „Schweigen zum Thema Wolf“ dokumentieren.

Immer mehr Wölfe, aber keine Konzepte?

Die Wolfspopulation in Deutschland nimmt immer mehr zu. Da Wölfe unter Schutz stehen und nicht gejagt werden dürfen, vermehren sie sich ungehindert und sind gezwungen sich neue Lebensräume zu suchen. Da unser Land dicht besiedelt ist, werden demzufolge auch immer mehr Wölfe in Ballungsräumen und Städten gesichtet, so auch im Rhein-Erft-Kreis.

Am 26.03.2025 wurde gegen 21 Uhr ein Wolf in Bergheim, im Bereich Chaunyring, gesichtet. Dafür gibt es einige Augenzeugen und auch die Polizei war vor Ort. Ein Wolf mitten in der Stadt sorgt verständlicherweise für Verunsicherung bei der Bevölkerung.

Folgende Antwort erhielten wir dazu von der Polizei des Rhein-Erft-Kreises auf unsere Presseanfrage:

„Gegen 21 Uhr rief ein aufmerksamer Zeuge die Polizei und teilte den Beamten mit, dass er im Bereich den Chaunyrings in Bergheim mutmaßlich einen Wolf gesehen habe. Die Beamten fuhren zu der genannten Adresse. Das Tier sei in Richtung des Flusses „Kleine Erft“ verschwunden. Ob es sich bei dem Tier um einen Wolf oder einen Hund gehandelt haben könnte, ist derzeit unklar. Die Polizei Rhein-Erft-Kreis steht in der von Ihnen genannten Thematik in Kontakt mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.“

Folgende weitere Wolfssichtungen im Rhein-Erft-Kreis in den letzten Tagen wurden an unsere Redaktion gemeldet:

25.03.2025: Ein Wolf wurde an der B59 zwischen Stommeln und Rommerskirchen gegen 8 Uhr 20 gesehen. Dazu gibt es auch ein Foto, das in den sozialen Medien gepostet wurde.
25.03.2025: Wolfssichtung in Bergheim-Niederaußem am Kreisverkehr gegenüber REWE gegen 22 Uhr

Der Redaktion liegen aus seriösen und vertraulichen Quellen Hinweise vor, dass sich im Rhein-Erft-Kreis wohl bereits mehrere Tiere fest angesiedelt haben. Wolfsrisse wurden auch durch Proben bestätigt. Aber offen sprechen möchte niemand darüber. Die einen schweigen aus Angst vor radikalen Wolfsbefürwortern, und die anderen möchten die Probleme und Konflikte scheinbar verdrängen und aus der Öffentlichkeit heraushalten. Immer mehr Wölfe, aber keine Konzepte? Wir dokumentieren im Folgenden unseren Schriftverkehr mit den Behörden, dann möge sich jeder selber ein Bild machen.

ein schönes Bild. Ein vermutlich vom Wolf gerissenes Reh, aufgenommen zwischen Kapellen und Holzheim in der letzten Woche am Dienstag 18. März 2025, an den Bahngleisen (Foto: Andre Nalin)
Kein schönes Bild. Ein vermutlich vom Wolf gerissenes Reh, aufgenommen zwischen Kapellen und Holzheim in der letzten Woche am Dienstag 18. März 2025, an den Bahngleisen (Foto: Andre Nalin)
Pfotenabdruck mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Wolf, aufgenommen zwischen Kapellen und Holzheim in der letzten Woche am Dienstag 18. März 2025, an den Bahngleisen (Foto: Andre Nalin)
Pfotenabdruck mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Wolf, aufgenommen zwischen Kapellen und Holzheim in der letzten Woche am Dienstag 18. März 2025, an den Bahngleisen (Foto: Andre Nalin)

Hier unsere Presseanfrage an den Rhein-Erft-Kreis und den Landrat in Auszügen:

Uns erreichen vermehrt Hinweise zu Wolfssichtungen im Rhein-Erft-Kreis und ebenso verunsicherte Anfragen. Gestern Abend (26.03.2025) gegen 21 Uhr gab es eine Wolfssichtung in Bergheim, im Bereich Chaunyring. Dafür gibt es einige Augenzeugen und auch die hinzugerufenen Polizisten haben den Wolf nach unserem Kenntnisstand gesehen. Was ist Ihnen zu dem Sachverhalt bekannt? Welche Maßnahmen werden und wurden ergriffen? Weiterhin haben wir Hinweise für folgende Wolfssichtungen im Rhein-Erft-Kreis in den letzten Tagen.

In der Antwort zu unserer letzten Presseanfrage schrieben Sie u. a.: „Im Kreisgebiet ist der UNB weder der dauerhafte Aufenthalt von Wölfen noch die Bildung eines Rudels bekannt….“ Weiterhin schrieben Sie, dass es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um durchziehende Tiere handele.
Bleiben Sie bei diesen Aussagen, nachdem es vermehrt Wolfssichtungen im Kreis, immer wieder in den gleichen bzw. nahe zusammenliegenden Bereichen gibt? Spricht das nicht vielmehr dafür, dass sich ein oder mehrere Wölfe dort niedergelassen haben?
Sind Sie wirklich sicher, dass sich nicht bereits mehrere Wölfe im Rhein-Erft-Kreis ggf. dauerhaft und als Rudel angesiedelt haben?

Ist geplant die Öffentlichkeit durch den Rhein-Erft-Kreis aufgrund der Sichtungen für den Umgang mit Wölfen zu sensibilisieren (z. B. durch Posts oder Medieninformationen, Informationsveranstaltungen usw.)?

Wie hoch schätzen Sie die Gefahrensituation für die Öffentlichkeit aktuell ein? Gemeint ist nicht nur die Gefahr für Menschen, sondern auch Haus- und Nutztiere.

Gibt es Konzepte für den Fall, dass sich Wölfe im Rhein-Erft-Kreis fest ansiedeln und verstärkt von den Menschen gesichtet werden? Da der Wolf geschützt ist, und nicht gejagt werden darf und sich so die Population stetig erhöht, wie kann die Öffentlichkeit geschützt werden?

Wie wichtig ist Ihnen Transparenz im Umgang mit dem Thema Wolf?

Folgende Antwort erhielten wir von der Pressestelle des Rhein-Erft-Kreises am 27.03.2025:

„Vielen Dank für Ihre Rückfrage zu Wolfssichtungen im Rhein-Erft-Kreis. Gerne helfen wir Bürgerinnen und Bürgern oder der Presse bei Anfragen weiter und erteilen Auskunft. Transparenz ist für uns grundsätzlich selbstverständlich. Bezüglich der gestellten Anfragen bitten wir Sie freundlichst, sich an das LANUV zu wenden, dass in NRW für den Wolf zuständig ist. 

Gerne leiten wir Ihre genannten Sichtungen an das LANUV weiter, allerdings ist es aus Sicht der Kreisverwaltung  sinnvoller, dass Bürgerinnen und Bürger die Meldungen selbst beim LANUV vornehmen, da uns auf diesem Weg beispielsweise keine Fotos und Videos vorliegen, die bei der Identifikation helfen können. Hier der Kontakt für Wolfsmeldungen:

wolf­_nrw@lanuv.nrw.de

Einige Ihrer Fragen werden ggf.  bereits auf der Homepage des LANUV beantwortet. Zudem hat der WDR einen aus unserer Sicht informativen Beitrag erstellt, der ggf. einige Ihrer Fragen beantwortet.“

Hinweis der Redaktion: Landrat Frank Rock äußerte sich nicht zu unseren Fragen.

Auf der Suche nach einem neuen Revier? (Foto: Pixabay)
Auf der Suche nach einem neuen Revier? (Foto: Pixabay)

Antworten LANUV und Umweltministerium NRW

Wie vom Rhein-Erft-Kreis angeregt, schickten wir unseren Fragenkatalog an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und zusätzlich an die Pressestelle des Umweltministeriums NRW.

Folgende Antwort erhielten wir vom LANUV auf unsere Presseanfrage:

Ich hatte Ihnen ja bereits Informationen zur Verfügung gestellt. Weitere Hinweise und Informationen finden Sie auf unserer Seite www.wolf.nrw. Welche konkreten Fragen haben Sie, die über die bisher erfolgten Antworten hinaus gehen? Ergebnisse zu den Bildhinweisen die ans LANUV gemeldet wurden gibt es noch nicht. Legen Sie sich bitte die Frage nach den Auswertungen auf Wiedervorlage für Ende der nächsten Woche. Dann werden wir einen aktuellen Stand abfragen.

Sollten weitere Beobachtungen in Ihrem Berichtsgebiet gemacht werden, bitte den Hinweis weitergeben, diese direkt an unser Wolfsmonitoring zu senden. Die Kontaktdaten sind zu finden auf der Startseite unseres Wolfsportals: www.wolf.nrw
.“

Hinweis der Redaktion: Dem LANUV wurden die gleichen Fragen wie dem Rhein-Erft-Kreis gestellt. Konkrete Antworten gibt das LANUV nicht.

Die Wolfspopulation in Deutschland wächst stetig. (Foto: Pixabay)
Die Wolfspopulation in Deutschland wächst stetig. (Foto: Pixabay)

Folgende Antworten erhielten wir von der Pressestelle des Umweltministeriums NRW auf unsere Presseanfrage:

"Vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerne übersende ich Ihnen hierzu die folgenden Informationen. 

In Nordrhein-Westfalen lebt etwa ein Prozent aller deutschen Wölfe. Hauptverbreitungsgebiet der Wölfe sind die Länder Sachsen sowie in nordwestlicher Richtung die Länder Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg- Vorpommern und Niedersachsen. Wie für alle Bundesländer ist auch für Nordrhein-Westfalen davon auszugehen, dass neben den dauerhaft besetzten Territorien sporadisch einzelne durchwandernde Wölfe auftreten, die sich Tage oder Wochen in NRW aufhalten und auf ihrer Wanderung NRW wieder verlassen. Zur Verbreitung siehe die Übersicht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) unter: https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/status-und-reproduktion?Bundesland=&Jahr=2023

Zurzeit gibt es vermehrte Sichtungen, weil wir uns mitten in der aktiven Wanderzeit von Jungwölfen befinden. Im Alter von ein oder zwei Jahren verlassen sie ihr Rudel und suchen ein eigenes Revier. Ein Wolf kann pro Tag bis zu 70 Kilometer laufen, daher sind Sichtungen an einem Tag an mehreren Orten nicht ungewöhnlich.
Wolfsnachweise bzw. gemeldete Nutztierfälle veröffentlicht das LANUV unter: https://www.wolf.nrw.de/wolf/de/nachweise
Die Ergebnisse lassen sich nach Kreisen filtern.

Die meisten Wölfe in NRW und Deutschland verhalten sich völlig unauffällig. Erfahrungen aus Deutschland und dem europäischen Ausland zeigen, dass durch geeignete Herdenschutzmaßnahmen Übergriffe auf Nutztiere effektiv minimiert werden können. Entsprechende Empfehlungen finden Sie unter: https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/herdenschutz?file=files/publisher/downloads/Herdenschutzempfehlungen_BfNSkript530.pdf&cid=1198


Das Land NRW leistet eine umfassende finanzielle und beratende Unterstützung, um die Belastungen für die Tierhaltungen durch die Rückkehr des Wolfs so gering wie möglich halten. Aufgrund neuer Wolfsnachweise hat das Land die Förderkulisse für Herdenschutzmaßnahmen auf mehr als die Hälfte der NRW-Landesfläche ausgeweitet (https://www.umwelt.nrw.de/land-weitet-herdenschutz-foerderung-aus-und-weist-neue-foerderkulisse-oberer-arnsberger-wald-aus). Die einzelnen Fördergebiete incl. Kartendarstellung sind unter der Internetadresse https://www.wolf.nrw/wolf/de/management öffentlich einsehbar.

In den Herdenschutz-Fördergebieten werden 100 Prozent der Kosten für investive Herdenschutzmaßnahmen gefördert. Neben Zäunen und Stromgeräten umfasst dies unter bestimmten Voraussetzungen auch die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden. Auch in den großräumigen Pufferzonen werden Herdenschutzzäune gefördert. Die Förderrichtlinie Wolf umfasst zudem Angebote zur Entschädigung von Tierverlusten und weiteren Schäden (wie Tierarztkosten oder Schäden an Schutzvorrichtungen), die landesweit gewährt werden (in Herdenschutz-Fördergebieten ist nach einer halbjährigen Übergangszeit mindestens ein bestehender Grundschutz erforderlich). Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bietet eine ausführliche Beratung zu den möglichen Herdenschutzmaßnahmen kostenlos für alle Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter an.

Grundlage für die Entnahme von Wölfen mit auffälligem Rissverhalten ist der "Praxisleitfaden zur Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen nach §§ 45 und 45a BNatSchG beim Wolf, insbesondere bei Nutztierrissen". Um die Entnahme von Wölfen mit auffälligem Rissverhalten zu erleichtern, hat die Umweltministerkonferenz im vergangenen Jahr die Ergänzung des Leitfadens um ein Schnellabschussverfahren beschlossen.

Zum Wolfsmonitoring stehen Sie ja bereits im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen im LANUV. Bitte melden Sie sich gerne, wenn Sie weitere Informationen benötigen."
Immer mit den Wölfen zu heulen, führt nicht zu Lösungen. (Foto: Pixabay)
Immer mit den Wölfen zu heulen, führt nicht zu Lösungen. (Foto: Pixabay)

Statement von Wolfexperte Dr. Michael Weiler

Wir haben beim Veterinärmediziner Dr. Michel Weiler um ein Statement gebeten. Als Fachtierarzt für Pferde hat er über 30 Jahre lang eine Pferdeklinik in Gelnhausen betrieben, die er mittlerweile an einen Nachfolger übergeben hat. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Verhalten von Wölfen. Hier sein Statement:

Das Hauptproblem ist der häufige Eindruck, dass von Behördenseite, die ausschließlich von sehr wolfsaffinen Naturschutzorganisationen beraten wird, das Problem Wolf mit alle Mitteln klein geredet wird. Die schwache DNA-Analytik durch Senckenberg liefert passend dazu einen hohen Anteil an Ergebnissen „Fuchs“, „Hund“ oder nicht auswertbar.

Die meisten Sichtungen werden als „wandernde Jungwölfe“ erklärt. Wölfe bleiben meistens bis zum zweiten Lebensjahr im Rudel und verlassen dieses nicht als „Jungwölfe“. Sie werden auch dann erst zweijährig geschlechtsreif und es macht vorher keinen Sinn woanders ein Rudel zu gründen. Wenn aber Fähen die Welpen in der Höhle haben, verlassen vorübergehend (bis zu 3 Monaten) auch Jährlinge das Rudel und halten sich im Umkreis von 3-7 km teils alleine auf. Es sind dann keine „wandernden Jungwölfe“, sondern einem Rudel in der Nähe zugehörige.

Die Rückkehr der Wölfe ist auch kein „Erfolg des Artenschutzes“ sondern lediglich dem Wegfall der innerdeutschen Grenze geschuldet. Die ständig zuwandernden Wölfe aus Polen in die DDR wurden dort scharf bejagt. Das hiesige Ökosystem hat in den letzten 150 Jahren seit dem Verschwinden der Wölfe gut funktioniert. Durch gezielte Bejagung und nachhaltige Abschusspläne entstand ein gesunder Wildbestand, der zudem als besonders wertvolles Reservoir an Nahrungsmitteln genutzt werden konnte. Durch die Jagd wurde in dieser Zeit keine Wildtierart ausgerottet. Wölfe sind faule Jäger und jagen daher zwar auch schwaches und altes Wild, aber zur Zeit besonders hochträchtiges und dadurch verlangsamtes Schalenwild. Das in der Göhrde heimische Muffelwild diente als besonders wertvolles genetisches Reservoir jahrzehntelang der Blutauffrischung der inzucht-belasteten Bestände auf Sardinien und Korsika. Wölfe haben diesen kompletten Bestand innerhalb von 9 Monaten vollständig eliminiert.

In Regionen mit wenig ertragreichen Natura 2000- Flächen (Heidelandschaften, Mager- und Kalkrasenflächen, Deiche etc) ist die Biodiversität vieler auf der roten Liste stehenden Tier- und Pflanzenarten nur durch die Beweidung mit Schafen, meist durch kleine Nebenerwerbsschäfereien, zu erhalten. Aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse sind diese Herden nicht zäunbar und kein Herdenschutz möglich. Herdenschutzhunde bilden oft eine Gefahr für Passanten in Tourismusregionen. Die Biodiversität wird in diesen Regionen (Schwäbische Alb, Lüneburger Heide, Rhön, Wacholderweiden Mittelhessen) durch die häufige wolfsbedingte Aufgabe der Weidehaltung hochgradig gefährdet. Entschädigungen (Ausgleichszahlungen) erhalten in den meisten Bundesländern lediglich Betriebe mit eine hohen Mindestzahl an Schafen oder Ziegen. Die Antragsstellung dazu ist kompliziert und es wird immer häufiger darauf verzichtet. Vielen Weidetierhaltern geht es nicht nur um den finanziellen Verlust. Das wiederholte Auffinden noch lebender, schwer verletzter Tiere nach Wolfsangriffen sorgt für Traumatisierungen, die mit Geld nicht zu beheben sind.

Es gibt weltweit kein Land, in dem die Koexistenz mit Wölfen ohne Bejagung und Regulation funktioniert. Dieses „Experiment Wolf“ wird zum Verlust großer Teile der Weidetierhaltung und Biodiversitätsflächen führen. Die Aufgabe einer landwirtschaftlichen Weidetierhaltung ist in der Regel irreversibel. Das Thema Wolf polarisiert durch den rein ideologischen Umgang mit dieser Tierart sehr stark und wird letztendlich, spätestens bei dem ersten menschlichen Opfer, zu einem Feldzug gegen den Wolf führen und dadurch den gegenteiligen Effekt haben. Wir haben einige Regionen in Deutschland, die Platz für 200 -300 Wölfe bieten, aber die politisch angestrebte flächendeckende Besiedlung dieser Tierart ohne natürlichen Feinde wird zur Eskalation führen.

Dr. Michael Weiler: "Wir haben einige Regionen in Deutschland, die Platz für 200 - 300 Wölfe bieten, aber die politisch angestrebte flächendeckende Besiedlung dieser Tierart ohne natürlichen Feinde wird zur Eskalation führen." (Foto: Pixabay)
Dr. Michael Weiler: „Wir haben einige Regionen in Deutschland, die Platz für 200 – 300 Wölfe bieten, aber die politisch angestrebte flächendeckende Besiedlung dieser Tierart ohne natürlichen Feinde wird zur Eskalation führen.“ (Foto: Pixabay)

Mein Fazit

Wie in meinem letzten Artikel (hier zu lesen!) schon geschrieben: Ich mag Wölfe. Sie sind faszinierende Tiere und ein wichtiger Teil der Natur. Aber sie gehören meiner Meinung nach nicht in Städte und dicht besiedelte Ballungsräume, wo sie zur Gefahr werden können und selber auch vielen Gefahren ausgesetzt sind. Das Thema Wolf polarisiert und sachliche Diskussionen sind schwer. Diese Problematik wird sich mit einer stetig weiter wachsenden Wolfspopulation in Deutschland noch verschärfen. Hier sind Bund, Land, Kommunen und zuständige Behörden gefragt, Verantwortung zu zeigen. Im Augenblick gewinne ich jedoch den Eindruck, dass zu sehr das „romantische Bild“ des Wolfes in den Vordergrund gestellt wird, aber zu wenig auf die Ängste und Sorgen der Menschen sowie die Gefahren durch Wölfe eingegangen wird. Noch schlimmer ist es, wenn versucht wird Fakten zu vertuschen oder schön zu reden.

Als Reaktion auf meinen letzten Artikel zum Wolf schrieb jemand: „Ich empfinde es als zynisch und kaltschnäuzig, dass unsere Weidetiere auf eine Sache mit reinem Geldwert reduziert werden. Ich will lebendige Weidetiere, die in Sicherheit leben können!“ Für mich absolut verständlich. Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen auch mal „die andere Seite der Medaille Wolf“ sehen. Der Wolf ist und bleibt ein Raubtier. Er ist gekommen, um zu bleiben und daraus entstehen Probleme und Gefahren, die klar benannt werden müssen, um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können. Wie viele Höfe werden sonst ihre Weidetierhaltung einstellen? Was bedeutet das für unsere Landwirtschaft und die Sicherung unserer Ernährung? Sind die Leben von Haus- und Nutztieren weniger wert als das Leben des Wolfes? Da die Wölfe nicht gejagt werden, verlieren sie ihre Scheu vor Menschen – was für Gefahrenpotentiale entstehen daraus?

Die Bevölkerung hat Antworten verdient. Doch die werden so gut wie gar nicht gegeben. Man versucht häufig sich mit leeren Phrasen aus der Verantwortung zu ziehen. Ausgereifte Konzepte zum Umgang mit dem Wolf und für die Sicherheit der Bevölkerung wurden scheinbar nicht entwickelt. Verhaltensregeln für die Begegnung mit dem Wolf gibt es viele, aber das ist doch keine Lösung. Was ist eigentlich, wenn ich auf ein Rudel treffe? Erwartet man, dass Kinder, die allein unterwegs sind, ganz cool auf so eine Begegnung mit dem Wolf reagieren? Was muss passieren, damit die Verantwortlichen endlich wach werden? Nicht nur der Wolf ist schützenswert, sondern auch die Bevölkerung und andere Tiere.

„Das Mehrheitsprinzip funktioniert nur, wenn man auch die Rechte des Einzelnen berücksichtigt. Weil fünf Wölfe und ein Schaf nicht darüber abstimmen können, was es zum Abendessen gibt.“ (Larry Flynt)

Viele haben Angst vor einer Begegnung mit einem Wolf. (Foto: Pixabay)
Viele haben Angst vor einer Begegnung mit einem Wolf. (Foto: Pixabay)