Die ehrenamtlichen Radiomacher im Einsatz (Fotoveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Welle Rhein-Erft)

Bergheim - 21.01.2022

Bürgerfunk "Welle Rhein-Erft" - Radio auf Bürgerwellenlänge

Jeden 1. Freitag im Monat um 20 Uhr 04 mit dem "Soundcheck" (in der Regel) und jeden 4. Sonntag im Monat um 19 Uhr 04 mit dem "Infomagazin" (fast immer) ist der Bürgerfunk "Welle Rhein-Erft" auf der Frequenz von Radio Erft auf Sendung. Bürgerinnen und Bürger erstellen Radiobeiträge zu aktuellen Themen aus ihrem Umfeld und planen gemeinsam den Ablauf der Radiosendung. Redaktionssitzungen abhalten, Diskutieren, Recherchieren und Informieren, ganz wie bei den Profis wird hier von Bürgern für Bürger "Radio auf Bürgerwellenlänge" gemacht. Das Mitmachen, Gestalten und der Spaß stehen dabei im Vordergrund. Produziert werden die Sendungen in der Medienwerkstatt des Katholischen Bildungsforums Rhein-Erft, die sich im Untergeschoss des Anton-Heinen-Hauses in Bergheim befindet.

Mit viel Engagement und Leidenschaft sind die ehrenamtlichen Radiomacher dabei und legen Wert auf professionelle Beiträge. Die Verleihung von Bürgermedienpreisen der Landesanstalt für Medien NRW für einige ihrer Beiträge zeigt diese Qualität. Auch in diesem Jahr ist ein Beitrag von Monika Bliem über „Parkinson“ für diese Auszeichnung nominiert.

Pulheim-Report konnte einen Blick hinter die Kulissen werfen und hat ein Interview mit zwei ehrenamtlichen Radiomachern geführt.

Interview mit Martina Bernhardt und Burkhard Thom vom Redaktionsteam der „Welle Rhein-Erft“:

Wie seid ihr zum Bürgerfunk gekommen und warum macht ihr das?

Martina:  “Ich bin vor vielen, vielen Jahren - mittlerweile weit mehr als zehn Jahren - über einen Artikel zum Bürgerfunk in der Kölnischen Rundschau gestolpert und habe mich an meine journalistische Vergangenheit - Studium in Dortmund, Volontariat Kölnische Rundschau, 3-monatiges Praktikum ZDF, Freie Autorin beim WDR-Fernsehen - erinnert und bin eingestiegen, um zu erfahren, ob ich nach langer Familienauszeit wenigstens noch Radio machen kann.”

Burkhard: Zum Funk gekommen bin ich eigentlich eher durch einen Zufall. Ich suchte damals Kontakte, um mein erstes Hundebuch (Erlöse gehen an den Tierschutz) zu promoten. Martina Bernhardt produzierte damals ein kurzes Interview mit mir und lud mich zu einer Redaktionssitzung ins Anton-Heinen-Haus ein. Teilgenommen, „Blut geleckt“ und dabeigeblieben. Ein kleines aber herzliches Team, unterschiedliche Altersklassen und „immer gut drauf“. Warum mache ich das? Ich möchte auf der einen Seite etwas gestalten, informieren und die Öffentlichkeit macht mir einfach Spass. Ich will aber auch sagen, dass ich extrovertiert reagiere und mich gerne auch bei Themen „ungefragt“ einbringen möchte.”

Eine Radiosendung muss genau geplant werden. Wer ist euer "Chef" und organisiert den Ablauf?

Martina: “Irgendwie ist das an mir hängengeblieben, keine Ahnung warum.”

Burkhard: “Martina Bernhardt als Diplom-Journalistin hat eindeutig „den Hut auf“ und das ist gut und mehr als richtig. Als erfahrene Journalistin mit Erfahrung in Rundfunk und „schreibender Zunft“ hilft sie eigentlich uns allen bei der Technik, bremst wenn wir zu übermütig werden und stützt, wenn „etwas nicht gelingen will“. So meckere ich immer wieder, wenn sie Reportagen oder Beiträge kürzt oder verändert. Ich muss allerdings zugeben, dass alle Korrekturen immer positiv waren. Leider siegt die Einsicht immer erst beim zweiten Hinhören. Abläufe innerhalb der Sendung werden in den monatlichen Sitzungen besprochen und letztlich während der letzten Moderation endgültig besprochen und festgelegt, also bei der Endaufnahme.”

Wie ist der Weg von der Planung bis zur fertigen Radiosendung? Könnt ihr uns kurz den Ablauf schildern?

Martina: „Welche Beiträge sind fertig? Wie lang sind sie? Welche Musik nehmen wir dazwischen? Wer hat Zeit zu moderieren? Dann wird die Moderation im Studio mit Musik und Beiträgen aufgezeichnet entsprechend der Vorgaben von Radio Erft bzw. der Bürgerfunkrichtlinien entsprechend des Landesmediengesetzes NRW, dann zu Radio Erft geschickt und dann über die Frequenz von Radio Erft ausgestrahlt.”

Burkhard: “Jeder von uns äußert seine Wünsche und Ideen während der monatlichen Redaktionssitzung (Immer am 1. Donnerstag im Monat um 19:30 im Anton-Heinen-Haus). Hier wird diskutiert, gequatscht, herumgealbert und konstruktiv gearbeitet (zumindest oft).Themen werden diskutiert, angeregt und verworfen, hier entstehen aber auch satirische Ansätze und eben gute Beiträge. Zeitliche Planungen werden besprochen, Anregungen diskutiert und neue Ideen „geboren“. Der Sendeplan entsteht, wird verworfen und endgültig festgezurrt. Martina sammelt alle Beiträge und entscheidet letztlich auch über die Zusammensetzung der einzelnen Sendungen.”

Was für ein Gefühl ist es sich selber im Radio zu hören?

Martina: „Einfach schön! Vor vielen Jahren ist einer unserer Soundcheck-Moderatoren, Frank Bröcking, pünktlich zur Soundcheck-Sendezeit in einen Supermarkt gefahren, der Radio Erft in seinen Verkaufsräumen laufen ließ. Da hat er sich dann selbst zugehört, das fand er herrlich. Oder hat er "geil" gesagt?”

Burkhard: “Ich persönlich empfinde dabei nichts Besonderes. Ich finde es aber schön, wenn wir a: hohe Klickzahlen bekommen (Sendungen werden auch im Netz abgerufen) und b: wenn es zu kontroversen Diskussionen NACH der Sendung kommt. Teilweise kommen die Reaktionen aus dem Netz, aber es gibt auch Gespräche auf der Straße, in der Fußgängerzone oder bei weiteren Interviews. Besonders schön sind die Reaktionen von öffentlichen Stellen, wie Bürgerbüro, Stadt oder Mitgliedern von Vereinen oder eben auch von Künstlern, die eine Sendung mit uns hatten.”

Gibt es besondere Momente und Erfolge, die ihr bisher beim "Radio machen" erlebt habt?

Martina: „Manche Menschen bedanken sich sehr herzlich für die Berichterstattung. Diverse kleinere und größere Bürgermedienpreise der Landesanstalt für Medien NRW. Wenn ein Beitrag genauso gelingt, wie er gelingen sollte.”

Burkhard: “Oh ja, die gibt es. Ich denke hier beispielsweise an Gespräche zu den Themen „Notfallseelsorge“, ein Leben in Dunkelheit (über Blindes Leben) oder einfach die Interviews zum Soundcheck. Das Spektrum der Möglichkeiten ist unbegrenzt, die Themen sehr vielseitig und im Grunde ist jede Sendung etwas Besonderes. Das klingt jetzt vielleicht zu „hoch bewertet“, aber du schaffst etwas, hast die Möglichkeit zu gestalten und einfach mitzuwirken. Du bist dabei und kannst mitgestalten.”

Könnt ihr etwas zum Inhalt eurer nächsten anstehenden Sendungen verraten?

Martina: „Wir verraten, wie lange Coronaschutz-Masken zum Verrotten brauchen, was Kreisdechant Achim Brennecke mit dem Ermland zu schaffen hat, welches Buch sich zu lesen lohnt und warum es immer noch die Hilfe für Tschernobyl-geschädigte Kinder gibt.”

(Hinweis der Redaktion: Ausstrahlung dieser Beiträge am 23.01.2022 um 19 Uhr 04 im Infomagazin - Nachzuhören auf der Homepage www.welle-rhein-erft.de)

Burkhard: “Eigentlich nein, denn unsere Sendungen laufen ja zeitversetzt von Aufzeichnung, Produktion und letztlich zur Sendung und deinem Beitrag hier. Da ich nicht weiß, wann dieser Beitrag hier im Pulheim-Report erscheint, kann ich nur kleine Themen anreißen. Ich persönlich freue mich auf zwei besondere Sendungen, zum einen mit „Krawumm“, einer Newcomerband aus der „kölschen Szene“. Den Auslöser dazu hat übrigens ein Beitrag auf eurer Website gegeben, denn ihr hattet in eurem Adventskalender einen Beitrag mit der Band. Dann plane ich ein Gespräch mit Tabea Scholdan, es handelt sich hier um eine außergewöhnliche Frau mit außergewöhnlichen Begabungen. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber sie ist Kinder-Intensiv-Pflegerin, Sängerin und macht ganz viele Projekte. Ich bin sicher, das wird eine ganz besondere Sendung.

Dann steht ja auch noch ein Gespräch mit deiner Tochter Sandra an. Wir wollen ja ein „Battle“ (Neudeutsch) machen zum Thema “Alte Musik und junge Musik”. Ich möchte mich mit ihr über die heutige Musik unterhalten und die Einflüsse von Cover-Versionen. Wie Du siehst, sehr spannend das Ganze und sehr vielseitig.”

Welche Wünsche oder Ziele habt ihr noch für die Zukunft der "Welle Rhein-Erft"?

Martina: „Den Spaß am Radiomachen nicht verlieren.”

Burkhard: “Ich kann hier nur von mir selbst sprechen, jeder hat wohl seine eigenen Ziele und Ansichten. Ich möchte gerne noch viele spannende Themen aufgreifen und tolle Menschen kennenlernen. Das gilt sowohl für den Soundcheck als auch für den Bürgerfunk. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir auch noch ein paar neue Gesichter finden würden, die mit uns Sendungen machen. Es gibt (Gott sei Dank) kein Konkurrenzdenken und jeder ist willkommen. Besondere Wünsche - Nein, et kütt wie et kütt und datt is joot su!”

Übrigens Radio machen kann bei der "Welle Rhein-Erft" jeder, der Spaß an Sprache und am Sprechen hat und sich gerne mit Anregungen und Themenideen einbringen möchte. Die dazu nötige Technik wird mithilfe des Teams erlernt. Wer Lust hat mitzumachen, kann sich gerne bei Martina Bernhardt über die E-Mailadresse: post@welle-rhein-erft.de melden.

Pulheim-Report bedankt sich beim Team der "Welle Rhein-Erft" für die interessanten Einblicke. Reinhören lohnt sich!

Ich verbleibe mit radiofreundlichen Grüßen

Anja Fiedler

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