
In den vergangenen Tagen haben unsere Redaktion vermehrt Anfragen von Leserinnen und Lesern erreicht, die sich angesichts sinkender Gasspeicherstände um die Versorgungssicherheit Gedanken machen. Während die Füllstände im Vorjahr am 23. Februar noch bei durchschnittlich 44 % lagen, verzeichneten sie zum gleichen Stichtag im Jahr 2026 einen Stand von lediglich 20,4 %. Der aktuelle durchschnittliche Füllstand beträgt 20,46 % (Stand 27.02.2026, 12 Uhr).
„Deutschland ist mit einem Speicherfüllstand von lediglich 75 Prozent in die Heizperiode gestartet. Zum Jahresbeginn 2026 lag der Gesamtspeicherfüllstand bei nur noch 57 Prozent – rund 23 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Ein vergleichbar niedriges Niveau wurde zuletzt im Krisenwinter 2021/22 verzeichnet. Die unzureichende Ausgangsbefüllung vor dem Winter 2025/26 stellt damit weiterhin den zentralen Risikofaktor für die Versorgungssicherheit dar. Zwar hat der bisherige Winterverlauf die Lage temporär entspannt, an den strukturellen Schwächen der Wintervorsorge ändert dies jedoch nichts.“ (Zitat vom 20.01.2026, Quelle: INES)
Kälteeinbruch im März?
Experten weisen darauf hin, dass ein sinkender Speicherdruck zu physikalischen Lieferengpässen führen kann. Bei täglichen Entnahmeraten von bis zu 0,5 % nähert sich das System rechnerisch einer kritischen Marke. Verschärfen könnte sich die Situation, wenn im Laufe des Monats März ein nicht unwahrscheinlicher Kälteeinbruch stattfindet, was den Gasverbrauch deutlich erhöhen würde. Um Informationen zur aktuellen Lage und über Vorsorgemaßnahmen für die Bürgerinnen und Bürger in Pulheim und im gesamten Kreisgebiet zu erhalten, hat unsere Redaktion am 23. Februar eine detaillierte Presseanfrage an die Stadt Pulheim und den Rhein-Erft-Kreis (REK) gestellt.

Fragenkatalog der Redaktion
Hier die vollständige Presseanfrage an die Stadt Pulheim und den REK vom 23.02.2026 im Wortlaut:
Die aktuelle Entwicklung der Gasreserven in Deutschland gibt Anlass zur Nachfrage. Während die Speicherstände vor einem Jahr noch bei durchschnittlich 44 % lagen, verzeichnen wir heute, am 23.02.2026, einen Stand von lediglich 20,4 % (Quelle: energien-speichern.de). Experten warnen, dass der sinkende Speicherdruck zu physikalischen Lieferengpässen führen kann. Angesichts täglicher Entnahmeraten von bis zu 0,5 % befinden wir uns faktisch in einer Alarmsituation gemäß dem Notfallplan Erdgas.
Trotz der aktuell milden Witterung deuten derzeit verschiedene Wettermodelle auf einen größeren Kälteeinbruch ab Anfang März hin, der die ohnehin strapazierten Reserven weiter stark sinken lassen könnte. Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:
Lagebewertung: Wie bewertet der Rhein-Erft-Kreis [bzw. die Stadt Pulheim] die aktuelle Versorgungssicherheit für private Haushalte sowie für kritische Infrastrukturen (Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen usw.) im Stadtgebiet/Kreisgebiet?
Notfallplan: Welche konkreten Maßnahmen des kommunalen Krisenmanagements greifen, sollte von den zuständigen Behörden die Notfallstufe ausgerufen werden?
Wärmeinseln & Katastrophenschutz: Sind für den Fall eines (teilweisen) Gasausfalls oder einer Rationierung bereits öffentliche ‚Wärmeinseln‘ oder Notunterkünfte im Stadtgebiet/Kreisgebiet fest eingeplant? Wenn ja, wo genau? Wie ist der Rhein-Erft-Kreis auf eventuell mit einem Gasausfall verbundene Probleme vorbereitet, wie z. B. längerer Stromausfall, Störung der Trinkwasserversorgung usw.?
Einsparmaßnahmen: Gibt es aktuell bereits Vorgaben/Planungen zur Reduzierung des Gasverbrauchs in öffentlichen Gebäuden der Stadt/des Kreises? Besteht ein Austausch mit ansässigen Industrieunternehmen im Hinblick auf mögliche Einschränkungen/Abschaltungen?
Bürgerinformation: Wie und wann (unter welchen Voraussetzungen) planen Sie, die Bürgerinnen und Bürger über eine drohende Verschärfung der Lage und notwendige Vorsorgemaßnahmen zu informieren?
Die Antworten der Behörden im Wortlaut
Auf unsere Presseanfrage erhielten wir von der Stadt Pulheim und dem Rhein-Erft-Kreis Rückmeldungen. Dabei ist festzustellen, dass beide Behörden die Situation deutlich entspannter bewerten als die zugrunde gelegten Daten vermuten lassen. Die Antworten fielen insgesamt recht knapp aus, wobei auf eine detaillierte Beantwortung der einzelnen Fragen verzichtet wurde.
Die Antwort der Stadt Pulheim vom 25.02.2026:
„Die Stadt Pulheim hat langfristige Verträge mit zuverlässigen Energieanbietern abgeschlossen, die eine stabile und sichere Gasversorgung gewährleisten. Aktuell liegen der Verwaltung keine Hinweise auf eine mögliche Versorgungsknappheit vor. Wir bitten diesbezüglich auch die Einschätzung der Bundesnetzagentur zur Lage der Gasversorgung in Deutschland zu beachten: Bundesnetzagentur – Aktuelle Lage Gasversorgung„

Die Antwort des Rhein-Erft-Kreises vom 25.02.2026:
„Nach Ihrer Anfrage entsteht der Eindruck, die Versorgungslage sei kritisch oder unsicher. Nach den vorliegenden Bewertungen der zuständigen Stellen lässt sich dies jedoch derzeit nicht bestätigen. Die Bundesnetzagentur als zuständige Behörde bewertet das Risiko einer angespannten Versorgungssituation gegenwärtig als gering. Gleichzeitig beobachtet die Bundesnetzagentur die Entwicklung fortlaufend und nimmt regelmäßig eine Neubewertung der Lage vor (Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/aktuelle_gasversorgung/start.html, Abrufdatum: 24.02.2026, 09:10).
Unabhängig davon bleibt ein bewusster Umgang mit Gas sinnvoll. Dies steht weniger im Zusammenhang mit einer drohenden Mangellage, sondern ist vor allem auf die weiterhin vergleichsweise hohen Preise für Haushalte zurückzuführen. Energiesparen trägt daher in erster Linie dazu bei, Kosten zu begrenzen und gleichzeitig das Gesamtsystem zu entlasten.
Bereits mit der Ausrufung der Alarmstufe des Notfallplans Gas am 23. Juni 2022 hat sich der Rhein-Erft-Kreis organisatorisch auf mögliche Entwicklungen vorbereitet. Seitdem steht ein abgestimmter und fortgeschriebener Rahmeneinsatzplan zur Verfügung, der das Vorgehen im Bedarfsfall sowie die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen beschreibt. Ergänzend besteht seit diesem Zeitpunkt eine klare gesetzliche und ministerielle Grundlage, auf deren Basis erforderliche Maßnahmen koordiniert umgesetzt werden können.“

Redaktionelles Fazit: Fakten im Blick, Verantwortung im Fokus
Die aktuellen Gasspeicherstände von 20,46 % (Stand 27.02.2026, 12 Uhr) und die unbeständigen Wetterprognosen für den März erfordern eine sachliche Betrachtung. Als Redaktion von Pulheim-Report sehen wir es als einen journalistischen Kernauftrag nicht wegzuschauen, sondern gezielt nachzuhaken.

Information ist für uns kein Instrument der Verunsicherung, sondern die Grundlage für eine vorbereitete Öffentlichkeit. Journalismus – ob lokal oder bundesweit – bedeutet für uns auch kritisch zu hinterfragen. Wir möchten Fakten liefern, um rechtzeitig zu informieren, damit man von Entwicklungen nicht überrascht wird. Wir werden das Thema „Gasreserven“ weiter im Blick behalten.
„In der Krise beweist sich der Charakter.“ (Helmut Schmidt)
Infos auf der Internetseite der Stadt Pulheim zum Krisenfall!
Infos auf der Internetseite des Rhein-Erft-Kreises zum Krisenfall!
Hintergrundinformationen der Bundesnetzagentur zur Gasversorgung, auch in Krisenzeiten